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Buytendorp - Bonifatiuskirche - Rheinberger Straße

Nördlich vor der Stadt nicht weit vom ehemaligen Kirchtor liegt an der Rheinberger Straße ein alter Kirchhof mit der Bonifatiuskapelle. Die heutige Bonifatiuskapelle wurde im Jahre 1803 als Friedhofskapelle im alten Stil auf dem ehemaligen Friedhof neu erbaut. Sie erinnert an die dort ursprüngliche Bonifatiuskirche aus dem 10.-11. Jahrhundert, die den Mittelpunkt des alten Moers bildete. 


Zu seinem Erstaunen findet der Besucher eine große Anzahl von verblassten, altertümlichen Grabsteinen, die schon auf ein paar Jahrhunderte zurückblicken können; sie gehören mit zu den ältesten, die man hier am Niederrhein findet. Man begrub früher nur um die Pfarrkirche herum. 


Dem Heiligen Bonifatius war die geweihte Pfarrkirche vor der Stadt am Friedhof an der Rheinberger Straße gewidmet. Nach Bonifatius, dem Apostel der Deutschen, sind viele frühere Kirchen benannt worden. Er hieß eigentlich Winfrid, wurde 673 im englischen Wessex geboren. Er war Benediktinermönch und predigte seit 718 das Christentum in Thüringen, Hessen, Bayern und Friesland. Im Jahre 723 fällt der Missionar Bonifatius im Beisein vieler Chatten, die er bekehren will, die Thor-Eiche bei Geismar in Nordhessen. Im Jahre 742 verbietet das von Bonifatius einberufene Konzil „heidnische Totenopfer, Losdeuterei, Zauberei, Amulette, Wahrsagerei, Beschwörungen oder Schlachtopfer“. Bonifatius starb im Juni 754 als Märtyrer bei Dokkum in Friesland.


Der bekannte Heimatforscher Otto Ottsen schrieb im Jahre 1925 in der Zeitschrift „Land und Leute der Grafschaft Mörs“: „Die Nachrichten über die Bonifatiuskirche sind sehr spärlich, weil der damals für die Kirche zuständige Propst von St. Severin in Köln im Besitz sämtlicher Akten war. 1552 nahm Probst Heinrich von der Recke die Akten mit auf sein Schloss Kemnade, wo sie bei einem Brand verloren gegangen sind.“ 


In einer Arbeit des Heimatforschers Boschheidgen über die Moerser Festungswerke ist auf seinem Plan der Alten Landwehr an der Stelle, an der jetzt die Kapelle liegt, tatsächlich ein altes Dorf verzeichnet, das „Buytendorp“ = Außendorf. Das „Buytendorp“ war älter als die Stadt, ja es ist die Keimzelle der heutigen Stadt Moers gewesen.


In den unruhigen Zeiten um 1600 ging auch das Außendorf zugrunde. Der Untergang wurde vollendet, als die Spanier die Kirche vor dem Stadttor mit Ausnahme des Chors im Jahre 1586 zerstörten. Das Material diente später zum Aufbau der evangelischen Stadtkirche.

Das alte Dorf vor dem Kirchtor sank zum Außendorf herab und damit war natürlich die Bedeutung und Nutzung der alten Kirche vor dem Tor besiegelt, die ursprüngliche Pfarrkirche wurde zur Kapelle.


Die Spanier, die Moers ab 1586 besetzten, vergrößerten die Befestigungsanlagen so weit, dass dadurch der Turm dieser Kirche abgebrochen werden musste, bis sie 1608 schließlich vollständig eingeebnet wurde. Nur der Kirchhof mit der Bonifatiuskapelle zeugt noch von der einstigen Keimstätte der Stadt Moers.


Auf dem Friedhof an der Rheinberger Straße befinden sich 79 Grabsteine aus der ältesten Regierungszeit des Grafen Hermann von Neuenahr (1551-1578). Es sind Grabkreuze, was mit der offiziellen Einführung der evangelischen Lehre zusammenhängen mag, da Graf Hermann 1560 in der Bonifatiuskirche zur reformierten Kirche übertrat.


Es sei hier an eine Tatsache erinnert, die jedem Moerser bekannt ist. Die Straße, die vom Altmarkt aus nach Norden führt, heißt heute noch Kirchstraße, sie führte zum Kirchtor. Woher kommt dieser Straßenname Kirchstraße?


Er kann nur daher stammen, dass man eben dieses Kirchtor passieren musste, um zur Pfarrkirche zu gelangen. Diese kann aber nur die Vorgängerin der heutigen Bonifatiuskapelle gewesen sein, die Bonifatiuskirche.


In der frühen Stadtgeschichte lag die eigentliche Pfarrkirche draußen im „Buytendorp“ (Außendorf), heute noch bekannt als Bonifatiuskapelle an der Rheinberger Straße.


Im Jahre 1303 ist als Vorgängerin der heutigen evangelischen Stadtkirche von einer Kapelle die Rede (Henrichs Seite 69). Der Kern der evangelischen Kirche – die Johanneskapelle - stammt aus dem Jahre 1363, erbaut vom Grafen Dietrich von Moers. 1440 wurde neben der Moers-Kapelle das Karmeliterkloster gegründet, das die neue Kirche nutzte. Erst im Jahre 1448 erhielt diese Kapelle die Rechte einer Pfarrkirche (Henrichs Seite 111).


Der tägliche Gottesdienst fand in der Johanneskapelle innerhalb der Stadt statt. Die kirchlichen Amtshandlungen mussten in den Jahren von 1303 – 1448 allerdings immer noch in der „alten Kirche vor dem Tore“ = Bonifatiuskirche vorgenommen werden.


Übermäßig viele historische Zeugnisse dürfen wir vom Areal an der Rheinberger Straße nicht mehr erhoffen.


Stadt und Burg Moers mit der Bonifatiuskirche und dem Buytendorp.


Ausschnitte aus der Karte des Arnold von Heurdt, Moers und Umgebung vor 1580. Kreisarchiv Viersen