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Grafschaft Moers Geschichts-Stiftung

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Wallanlagen um Moers

Als Besitz der Generalstatthalter der Niederlande spielte die Grafschaft Moers eine wichtige Rolle beim Schutz der südlichen Flanke der Niederlande in deren achtzig Jahre dauernden Freiheitskrieg. Durch seinen Festungsbaumeister Simon Stevin ließ Moritz von Oranien Schloss und Stadt zur frühneuzeitlichen Festungsanlage umgestalten.


Die Umbauten an der Kastellschanze wurden von 1601–1604 durchgeführt. Als Schanze bezeichnet man eine aus einem Erdaufwurf bestehende Verteidigungsanlage oder einen Teil einer Festung. Als Baustoffe nutzte man das, was das Gelände bot, Erde und als zusätzliches Hindernis Wasser. Schleusen wurden angelegt, die das Wasser innerhalb der Anlagen regulierten.


Mit der Befestigung der Alt- und Neustadt wurde nach dem Stadtbrand 1605 erst ab dem Jahr 1611 begonnen. Zuerst wurde das Schloss freigestellt, indem alle mittelalterlichen Grabenanlagen verfüllt und um die mittelalterlichen Mauern ein freier Platz geschaffen wurde, der zum großen Teil heute noch als Kastell besteht. Dieser dient, unterhalb des Niveaus der Wälle, dem gedeckten Verkehr und Aufmarsch der Truppen und Geschütze, der Verlegung von Proviant und Munition, ohne dass diese Bewegungen vom Feind gesehen oder gar gradlinig beschossen werden konnten. Es wurden fünf große spitzwinklige Bastionen um das Schloss aufgeschüttet, die untereinander durch kurze Wälle verbunden waren.


In den Wassergräben rund um die Stadtmauer und den Festungsanlagen vor dem äußeren Erdwall wurden „Ravelins“ eingebaut, dabei handelt es sich um dreieckige Befestigungsinseln mit seitlichen Bastionen. Insgesamt wurden neun Ravelins um Moers angelegt. Die in Moers erhaltenen und wiederhergestellten fünf Ravelins sind für die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal. Die historisch in ihrer Form einzigartig belegte Festungsanlage der Oranier prägt bis heute entscheidend das Erscheinungsbild der alten Grafenstadt Moers.


Die Moerser Bastionen wurden – auch dies eine niederländische Besonderheit – durch bis zu 40 m breite, tiefe Wassergräben verstärkt, die Angreifer und Geschütze auf Abstand hielten und ihnen keinerlei Deckung boten. Ravelins (separate Bollwerke oder Inseln in den Gräben) erhöhten die Abwehrkraft; denn da sie niedriger waren als die Hauptbefestigung, konnte man von der Festung her über die niedrigen Ravelins hinweg schießen. Für die Angriffstechnik damaliger Zeit war eine solche Festung nur unter ungeheueren Verlusten einzunehmen.


Im Jahre 1620 waren die Befestigungsarbeiten rund um die Stadt vollendet. So war Moers zu einer der stärksten Festungen der damaligen Zeit geworden, zumal Prinz Moritz nach dem Stadtbrand von 1605 ab 1611 die neuen Anlagen auch um die gesamte, neu erbaute Stadt angelegt hatte.

Die oranische Festung Moers ist nie belagert und nie erobert worden, und von daher ist es verständlich, dass auch die Berliner Festungsanlagen nach niederländischem Muster ausgeführt wurden – die Verwandtschaft der Brandenburger mit den Oraniern wird dazu beigetragen haben.


Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges (1756–1763) benötigte der Sohn des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. - König Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt, seine niederrheinischen Festungen nicht mehr und sah in ihnen eher eine Gefahr. In den Jahren 1763 bis 64 veranlasste Friedrich der Große die Schleifung der Festungswerke. Die Kastell-Bollwerke wurden abgetragen.


Bis zu 300 Pioniere, die die Grafschaft selbst zu rekrutieren hatte, entfernten die inneren Wälle und kippten das anfallende Erdreich in die Festungsgräben. Dadurch wurde die Trennung zwischen Stadt und Burg aufgehoben. Auch die Wasserflächen der so genannten Tränke, der alte Lauf des Mörsbaches – das Moerser Meer - zwischen Alt- und Neustadt, wurden zugeschüttet, so dass die Trennung zwischen Kastell, Altstadt und Neustadt entfiel und wichtige öffentliche Plätze wie zum Beispiel der Neumarkt und Kastellplatz entstehen konnten. Das durch die Festungsschleifung neu gewonnene Gelände wurde an die „dasigen Bürger zu Gärten und Anbauung“ verkauft, „der Morgen Landes a 400 Ruthens zu 50 Reichsthaler“. Durch den Rückbau der Festigungswerke wurde Moers zu einer offenen Stadt und hatte nicht einmal mehr eine Stadtmauer. Im Jahre 1781 zählte Moers etwa 2600 Einwohner.


Dank einer Intervention des Magistrats – vor allem aus Sorge um den Schutz der Stadt Moers vor Rheinhochwasser – blieben jedoch die äußeren 3 km langen Wallanlagen erhalten und wurden landschaftlich umgestaltet. Sie sollten nun nicht mehr vor feindlichen Armeen schützen, sondern vor Hochwasser.


So wurde Moers bis ins 18. Jahrhundert noch oftmals von heftigen Hochwassern des Rheines heimgesucht. Der alte Damm wurde nach der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1784 gegen Ende des Jahrhunderts aus Gründen des Hochwasserschutzes erheblich verbreitert und die Dammkrone erhöht. Es blieben also auf Wunsch der Bevölkerung und des Magistrates die Bastionen und Gräben als Wasserschutzdeiche erhalten.


Bis heute überdauerte als einziges Requisit aus der oranischen Zeit der „alte gedeckte Damm“ – unser heutiger Damm, der den Schlosspark eingrenzt.