GMGS-Moers Logo

Grafschaft Moers Geschichts-Stiftung

KULTUR - ERHALTEN - GESTALTEN

(placeholder)
(placeholder)
(placeholder)

Altmarktdenkmal

Diesterweg Büste

Findling im Hornwerk

Grabsteine Rheinberger Straße

Hektors Abschied von Andromache

Kaiserdenkmal

König Friedrich I.

Luise Henriette

Steinriesen im Park

Weyhe Gedenkstein

Wilhelm-Greef-Brunnen

Geschichte des Moerser Parks

1810 gehörten große Teile des heutigen Parks dem Textilunternehmer Friedrich Wintgens, der im selben Jahr das Moerser Schloss entgegen aller kaufmännischen Vernunft vom Notar Weinhagen erworben hatte. Schloss und Umfeld waren in einem verwahrlosten Zustand. Wintgens griff die Idee eines Parks als Aufenthalts- und Erholungsort auf und ließ den von ihm als Obst- und Gemüsegarten sowie den als Äcker genutzten Gartenteil rund um sein Wohnhaus und Baumwollspinnerei zu einem Park umgestalten.


Der Park wurde im englischen Stil angelegt, das heißt, alles sollte ganz natürlich wirken, mit wiesenartigen Rasenflächen, lockeren Baum- und Strauchgruppen und bogenförmig verlaufenden Wegen. Bäche, Brücken, Wasserflächen, dunkle Laubenimitationen und eine kleine Nepp-Ruine im westlichen Teil des Parks auf dem Möschenberg in Form einer antik gestalteten Mauer gehörten dazu sowie eine Reihe exotischer Bäume als Zeichen der Wohlhabenheit.


Es ist wohl das große Verdienst des Parkgestalters, dass er 1836 die alten Verteidigungsanlagen mit großem Geschick in das grundlegende Gestaltungselement, den Englischen Landschaftsgarten, in genialer Weise integriert hat. Auch der englische Garten-Künstler Resorius hat zwischen 1860 und 1870 an der Planung und Ausgestaltung des Parkes im Sinne englischer Landschaftsgärten mitgearbeitet. Damals wurden besonders die früheren Burggräben, die sich unmittelbar am Schloss befanden, zugeschüttet und in die Parklandschaft einbezogen.


Anders als in Benrath oder Brühl schuf nicht ein adeliger Herrscher den Moerser Park, sondern als kontinuierliche Erweiterung seines privaten Parks legte die Fabrikantenfamilie Wintgens um ihre Villa in der Nachbarschaft des Schlosses den Park an. Wegen der Nähe zum Schloss spricht man In Moers  von einem Schlosspark. Das ist falsch. Das „Schloss“ mit dem Grafschafter Museum wurde nicht als Schloss erbaut, sondern als Wasserburg. Die ursprüngliche Burganlage wurde vielfach baulich verändert, aus- und umgebaut und schließlich als Schloss bezeichnet.


Friedrich Wintgens starb 1856 und einige Jahre später wurde seine Fabrik für  Baumwollspinnerei (1865) geschlossen. Der Sohn Heinrich Wintgens verkaufte den östlichen Parkteil 1873 an den Landrat von Hochwächter, der ihn 1882 wiederum an seinen Nachfolger veräußerte, den Landrat von Haniel. Es ist zu vermuten, dass Heinrich Wintgens 1874 den Moerser Gartenbaumeister Peter Hermann Nickertz mit der Gestaltung des ihm verbliebenen Gartenteils beauftragte. Es handelt sich um das Gebiet vom Mittelweg bis zum südlichen und westlichen Stadtgraben und im Norden bis zu einem Obstgartenstreifen, dem späteren Landratsgarten.


1905 kaufte die Stadt Moers die Parkanlagen von der Familie Wintgens mit Hilfe des Amtsgerichtsrates Dr. Hermann Boschheidgen. So kam es, dass am 29. April 1906 der größte Teil des Parks für die Allgemeinheit geöffnet wurde.


Im Juli 1909 veranstaltete der bereits 1855 gegründete Verschönerungsverein der Stadt ein Grafschafter Volksfest. Pflege und Reinhaltung der Gartenanlagen und des Promenadenweges (Wallanlagen) rund um die Stadt gehörten zu den Aufgaben des Vereins.

In den Tagesbesuchern aus Krefeld, Duisburg und Ruhrort sahen die Verantwortlichen ein für Moers wirtschaftlich bedeutendes Gut.


Aus den Einnahmen des Volksfestes wurde durch Umwandlung eines vorhandenen Gemüse- und Obstgartens ein neuer Streifen des Stadtparks südlich des Landratsgartens geschaffen, der zu Pfingsten 1910 für die Bevölkerung eröffnet wurde. Mit dem weiteren Erwerb der Gärten des Landratsamtes vom Landrat von Haniel im Jahre 1913 konnte die Stadt Moers die Parkanlagen der Öffentlichkeit endlich zugänglich machen. Nach weiteren Zukäufen wurde am 21. Mai 1914 der Park ohne das Gelände des Landratsgarten und des Möschenbergs für die Öffentlichkeit endgültig freigegeben.  


1929 gestaltete die Stadtgärtnerei den „Wingert“ an der südlichen Schlossmauer um und gab es für die Öffentlichkeit frei. Es war das Gelände des ehemaligen Wintgens‘schen Weingartens, das heute als Eingang zum Schlosstheater dient und zum Innenhof des  Parkcafes Leonardo gehört.


Im Jahre 1932 wurden die Spielwiesen im Südteil des Parks zu einer weitläufigen Parkanlage umgewandelt. Max Massias war in jenen Jahren städtischer Garteninspektor und sein Gestaltungsentwurf wurde verwirklicht.


Am 1.5.1933 wurden schließlich auch die Restflächen des Landratsgartens zum öffentlichen Park mit romantischem Teich und einem als Freisitz dienenden kleinen Hügel hinzugenommen.


Nach dem Krieg entstand am Moersbach ein Verbindungsweg zum Bettenkamper Meer. Das Gelände links und rechts vom Bach wurde als Heuwiesen genutzt. Auf den Heuwiesen wurde in den 1970-er Jahren der Freizeitpark „Filder Benden“ angelegt. Die Gestaltung und Planung wurden durch den Gartenbauamtsleiter Hans Werner Keienburg und dem Planungsdezernenten Heinz Oppers durchgeführt. Östlich des Naturfreibades Bettenkamp entstanden 2012 neue Sportanlagen mit einer Parkerweiterung.


Heute gehört der Park zusammen mit seinen exotischen Baumbeständen zu den schönsten Landschaftsgärten der Region. Prächtige Laub- und Nadelbäume, darunter Mammutbaum und Götterbaum, Sumpfzypressen und Tulpenbaum, Eiben und Rotbuchen überdauerten die Jahrzehnte und Jahrhunderte. Sie alle machen das Parkgelände zu einer Sehenswürdigkeit.


Es ist ein Glücksumstand für die Stadt, dass mit dem Schlosspark die starke niederländisch-oranische Befestigungsanlage aus dem 17. Jahrhundert überwiegend erhalten geblieben ist. Das reizvolle Zusammenwirken von Wällen und Wasserflächen macht den besonderen romantischen Reiz dieses Parks aus, der durch die geschickte gestalterische Verwendung der sternförmigen barocken Verteidigungsanlagen der Oranier entstanden ist.


Betrachten wir den Schlosspark, so sind die Worte von Hanns Dieter Hüsch gut zu verstehen: „Glück ist ein Geschenk. Oft beneide ich diese Wanderer, sie haben Zeit und gehen durchs Glück. Denn alles was Du rundum siehst, ist ein Geschenk. Der schmale Weg, der Baum im Wasser, ist ein Geheimnis Stück für Stück. Und hier geht selbst der liebe Gott von Zeit zu Zeit spazieren. Er hat am Niederrhein ein Haus und ruht sich dort vom Himmel aus“.